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Hinter geschlossener Tür

1. Kapitel

Eine Woche schon ist das Restaurant Rösch geschlossen. Eigentlich wollte ich dieses Jahr im Urlaub eine Weltreise machen. Das geht ja nun nicht. Ich habe mich um entschieden und einen Mondflug gebucht.

Tausche 10 Hühnereier gegen 3 Rollen Klopapier!
Drei Rollen, nein soviel essen kann ich gar nicht.
Mit Toilettenpapier kann man auch andere lustige Sachen machen! 😍
Aha, na dann viel Spaß damit.
Verschenke 10 Hühnereier.

Saiten – Linsen – Spätzle

Ich habe noch drei Päärle Saiten gefunden und a Päckle Linsen, Mähl und Eia.
Einen Topf mit Wasser aufsetzen. Die Linsen reinschütten. Drei Scheiben gerauchten Speck für den guten Geschmack mitkochen. Ebenso eine Zwiebel etwas Lorbeer und zwei bis drei Nelken. Ich salze nicht, dann sind die Linsen ratzfatz fertig. Für die Farbe noch eine ordentliche Kelle Tomatenmark.
So, während die Linsen vor sich hin köcheln, schlage ich Eier und Mehl.
Sechs Eier und Vier Eigelb mit reichlich Salz werden verquirlt. Nun so lange Mehl (am besten Spätzlesmehl, sonst eben 405er) untergerührt bis ein zäher Teig entsteht. Wenn man den Teig ausrollen kann ist es zuviel Mehl. Noch Eier dazu. Wenn der Teig klumpt habe ich zu wenig Mehl erwischt.
Jetzt wird der Teig mit der flachen Hand verprügelt.
Dir werde ich es zeigen mein lieber Scholli!
Wenn der Teig genug hat und anfängt zu heulen, ähh es zeigen sich Blasen, höre ich auf.
Ich brauche einen zweiten Topf mit Wasser. Je breiter der Topf je besser. Das Wasser wird ordentlich gesalzen. Wenn das Wasser kocht, gebe ich den Teig in kleinen Portionen auf ein Brett und ich schabe mit einem Hobel oder mit einer Palette Spätzle. Natürlich geht das auch mit einer Spätzlespresse. Was auf gar keinen Fall geht, den Teig komplett ins kochende Wasser schmeißen und nachher, wenn er hart und durchgekocht ist herausnehmen und feine Streifen schneiden. Die Spätzle sind fertig, wenn sie im Topf oben schwimmen und das Wasser einmal gekocht hat. Mit einem Schaumlöffel (Kelle mit Löcher) nehme ich die Spätzle heraus und gebe sie in kaltes Wasser. Warum? Na klar, die gelbe Farbe bleibt besser erhalten.
Jetzt brauche ich einen dritten kleinen Topf mit Wasser für Saitenwürste.
Die Linsen sind jetzt weich. Ich gebe Salz Pfeffer aus der Mühle und etwas Zucker hinzu. Solange bis es mir schmeckt. Ebenso einen ordentlichen Schuss Essig. Nun kann ich die Linsen mit einer fein geriebenen Kartoffel eindicken oder abbinden. Es geht natürlich auch mit angerührter Maisstärke oder einer Mehlschwitze.
Beim Anrichten ist sehr wichtig dass die Linsen rechts auf dem Teller liegen und die Spätzle links. Die zwei Saitenwürste lege ich obendrauf. Achso, ich habe ja Runde, das ist rechts oder links egal. Schmeckt immer gut.
#StayHome #aktuell

2. Kapitel

Eigentlich habe ich überhaupt keine Zeit. Ich muss soviel machen. Ich komme zu gar nichts. Erste Frage morgens ist, was soll ich heute anziehen. Oder doch wieder Gammel-Outfit. Nein auf gar keinen Fall. Was junges, alt bin ich selbst. Zweite Frage Frühstück? Aber logisch, Mama, 93 Jahre, freut sich. Geschichten werden erzählt von ganz früher… Danke, war schön. 11.30 Uhr. Ich sollte jetzt mal loslegen. Büro – Büro – Büro. Viel sitzen und auf der Tastatur rumhämmern macht genauso müde wie um den Herd rumrennen. Kaffeepause -Radio an – eingeschlafen. 16.30 Uhr. Auf wichtige E-Mails reagieren. E-Mails aufräumen und löschen. 18.30 Uhr. Abendbrot vorbereiten für Mama und mich…🍲

5 Atemschutzmasken für 100 €.
Ach nee, doch so billig.
3 Atemschutzmasken für 100 €.
Ohh, kein Sinn für Ironie.

Nur noch eine Atemschutzmaske
– Schnell zugreifen Sonderpreis weil gebraucht.

Herr lass Hirn ra!

Dann eben Ohne. Ich bleibe zu hause!!

Frische Rote Bete sind jetzt in dieser Zeit genau das richtige. Sie puschen das Immunsystem steigern die Abwehrkräfte.
Ich koche die Rüben mit der Schale ohne Salz. Ich habe mir kleinere Bete ausgesucht, die sind kraftvoller und brauchen nicht so lange. 30 Minuten im Wasser vor sich köcheln und sie sind fertig.
Das rote Wasser wird nicht wegschüttet. Gibt ’ne schöne Suppe.
Die Bete schäle ich jetzt und schneide sie in Streifen ungefähr die gleiche Größe wie meine Nudeln.
Ich habe mich für Bandnudeln entschieden. Die Nudeln koche ich kurz in sprudeltem Wasser mit etwas Salz. Zwei bis Drei Minuten bevor sie al dente wären, schütte ich die Nudeln auf ein Sieb und gebe die heißen Nudeln flach auf ein Blech. Ich spüle die Nudeln nicht kalt!! Warum? Schmeckt einfach besser, wenn ich die Stärke, den Kleber, der jetzt außen auf den Nudeln sitzt nicht wegwasche. Ich habe keine Angst, wenn die Nudeln beim abkühlen zusammen kleben. Die dürfen jetzt kuscheln.
Nun etwas vom dem roten Wasser in einen Topf schütten. Ich presse zwei bis drei Limetten aus und gebe den Saft zum Rotwasser. Was noch? Chili aus der Mühle, etwas braunen Rohrzucker, Kreuzkümmel und Salz und letztendlich einen ordentlichen Löffel Frischkäse. Alles schön glatt rühren.
Zwischendurch erwärme ich eine Pfanne mit Olivenöl und röste Kürbiskerne. Die Kerne noch salzen. Fertig. Ich schütte die Kerne auf eine Küchenkrepp. Huch, Fett ist weg.
Ich schneide frischen Koriander in feine Streifen. Der meiste Geschmack sitzt in den Stielen. Also schneide ich auch einen Teil der Stiele mit.
Die Rote-Bete-Frischkäse-Soße köchelt leicht. Ich gebe die geschnittenen Bete hinzu und hebe die gekochten Nudeln in die Soße.
Ach Herrjeh, die Nudeln wollen flüchten und trennen sich. Aus mit Kuscheln. Alle Nudeln kleben nicht mehr zusammen.
Ich richte die Nudeln in einem Pasta-Teller an, gebe geröstete Kürbiskerne obenauf und etwas Koriander-Streifen.
Abendbrot fertig.
Mama möchte Nachschlag.

Danke. Schönen Fernseh-Abend. Es Gibt Krimi.

3. Kapitel

Zum Bäcker brauche ich seit Neustem etwas länger. Nicht wegen dem mords Betrieb auf der Straße, sondern wegen der noch nicht ganz erlernten Ellipsen Kurven und Bögen. Die neue Gangart. Ein Hustender kommt mir entgegen. Sofort fängt das Hirn an den Bogen an ihm vorbei zu errechnen, je nach Stärke der mir entgegen kommenden Töne. Nee, hat nicht geklappt. War auf einmal zwei Stadtteile weiter.
Früher war das auch besser. Da versammelten sich alle in den Husten-Häusern. Geht gerade nicht. Haben zu. Kein Kino, Theater oder Oper.

Gurken-Kopfsalat:
Ich entscheide mich für Frenchdressing „Rösch-Art“.
Zwei Eigelb, etwas scharfen Senf und eine Schuss weißen Balsamico-Essig vermengen. Nach und nach rühre ich Öl mit dem Schneebesen darunter. Das Öl sollte sich nicht trennen. Ich mixe eine kleine Zwiebel, zwei Gewürzgurken und zwei Knoblauchzehen. Zusammen mit der Majonaise ähnlichen Soße gibt das die fertige Salatsoße, die ich noch mit Salz, Zucker und Pfeffer abschmecke. Ein Paar Radieschen und die nach Wunsch geschnittenen Gurken salze ich leicht und schiebe das Alles zur Seite.

Ich koche Basmatireis mit so wenig Wasser, dass das Wasser verdampft ist wenn der Reis gar ist. Den Reis schmecke ich ab mit etwas Olivenöl und Butter, Knoblauch, frischer gehackter Petersilie und zerdrückten grünen Pfefferkörnern. Noch ein paar halbierten Kirschtomaten und Lauchstreifen. Der Reis ist nun essbereit.

Vom ganzen Heilbutt schneide ich dicke Scheiben. Gräten und Haut bleibt alles dran und drin. Schön würzen mit unserem Rösch-Gewürz-Salz und ab in die Grill-Pfanne. Von beiden Seiten angrillen und danach bei kleiner Hitze mit einem Deckel auf der Grillpfanne langsam garen lassen.
Mit einer kleinen Zange ziehe ich nun an der dicken Mittelgräte alle Gräten auf einmal aus der Heilbutt-Steak-Scheibe heraus.

Heilbuttsteak auf dem grünen Kräuterreis anrichten. Die Gurken und Radieschen mit der Salatsoße vermischen. Knackige Kopfsalatblätter darunter heben und mein Salat ist nun auch fertig.

Guten Appetit

4.Kapitel

Jahresanfang ??!!

Ist immer schwer?
Nun ja, obwohl die großen Zahlungen zu Beginn immer wieder überraschend größer als bedacht sind, freue ich mich auf Frühling und Sommer. Auf meinen Wilhelma-Jahreskarten-Einsatz, vor allem zur Nach-Mittagszeit im maurischen Garten. Und auf die Grillfeste im Röschgarten mit unseren Stammgästen. Zusammen mit meiner Frau Dreyer bereiten wir dieses Jahr für das Restaurant und vor allem für sie liebe Gäste Einiges vor… Ich freue mich zusammen mit meiner Crew auf unsere Restaurant-Aktionen 2019!! | Newsletter abonnieren | #aktuell #Grillen #Rösch #Wilhelma

Disqualifikation

Wie disqualifiziert sich man selbst? 

Indem die neue Küchenhilfe nach nicht mal einer Woche zum Küchenchef und Inhaber sagt:

Lern erstmal kochen !!  🤣

Oder:

Indem der gestresste Gast beim Eintreffen nicht relaxen kann und den bestellten Rostbraten einfach in die Stoffserviette einpackt und auf dem Boden unter die Bank schmeißt und dann noch die ganze Gesellschaft insbesondere seine Kinder durch sein Verhalten zum heulen bringt. 🤔

Liebe Gäste, wenn Sie „so gut“ drauf sind bleiben Sie doch bitte einfach zu hause. Auf solchen Besuch verzichte ich gerne. Gott sei Dank habe ich so etwas in den vierzig Jahren Gastronomie nur einmal erlebt. Wäre so etwas öfters vorgekommen, hätte ich garantiert über kurz oder lang mir die Frage gestellt, ob dies der richtige Beruf ist??

Sorry am 08.12.2018

Liebe Gäste heute am Samtag.
Leider konnte ich Sie nicht empfangen, da eine extreme Masse von Viren Einlass in meine Behausung begehrte. Ich habe einige Stunden gebraucht um diesen Besuch abzuweisen und meine Bude von Deren Allerlei zu bereinigen. Vielen Dank für die Hilfe mein lieber Naturheilpraktiker Jürgen. Bei Ihrem nächsten Besuch liebe reservierende Gäste vom heute erhalten Sie natürlich einen Willkommen-Wohlfühl-Drink für Ihr Verständnis.

Danke
Uwe Genz